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Emils Arbeitsbuch
About this book
Essen, Winter 1911. Als der Schmelzer Wilhelm Hufnagel im Gichtgas der Kruppschen Gussstahlfabrik stirbt, schreibt das Werk zwei Wörter in die Akte: eigenes Verschulden. Zwei Wörter, die der Familie die Rente, die Werkswohnung und den guten Namen nehmen. Seine siebzehnjährige Tochter Friederike schneidet sich die Haare, bindet sich die Brust flach, nimmt das Arbeitsbuch ihres fortgezogenen Bruders Emil und geht durch dasselbe Werkstor, das ihren Vater verschluckt hat. Zwischen Presswerk, Waschkaue und Taubenschlag lernt sie, wie man als Junge geht, spuckt und schweigt – und findet, was ihr Vater versteckt hat: ein Notizbuch mit Messwerten, Daten und Namen. Sie kann es kaum lesen. Andere können es: Lisbeth, siebzehn, Setzerlehrling in einer Druckerei am Kopstadtplatz, Tochter eines Kolonialveteranen mit einem Arm und einer Morphiumflasche. Stanisław, sechzehn, Klavierbauerlehrling, der in den Villen der Direktoren Flügel stimmt und dabei mehr hört als Töne, und der seinen polnischen Namen sonst wie eine Wunde verdeckt. Anton, sechzehn, Sohn eines deutschen Matrosen und einer chinesischen Mutter, Laufjunge auf den Kähnen nach Ruhrort, der selbst einen Brief mit sich trägt, der sein Leben umschreiben könnte. Und Jakob, siebzehn, ihr Kamerad an der Presse, treuer Kruppianer, langsam beim Lesen, schnell beim Zupacken – und der Einzige, der ihr Geheimnis erraten wird. Während der große Bergarbeiterstreik das Revier lähmt und die Stadt sich für das Jubiläum und den Besuch des Kaisers schmückt, wird aus einem Notizbuch eine Frage, die keiner von ihnen stellen wollte: Was ist ein Name wert, und wer bezahlt dafür? Ein Roman über Kohlenstaub und Klaviersaiten, über Loyalität, Verrat in der eigenen Küche und den Preis des Anständigseins in einer Stadt, die einer einzigen Firma gehört.
Book details
- Genres:
- Historical Fiction, Coming of Age, Sozialer Realismus, Industrieroman
- Language:
- de
- Published:
- 2026-07-31
- Content rating:
- R