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Die Mühle am Nebelgraben
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Federgrein ist eine Kleinstadt, in der Hausziegen auf den Dächern schlafen, Briefe von Libellen zugestellt werden und man nicht laut über die windschiefe Getreidemühle am Nebelgraben spricht. Seit sieben Jahren dreht dort kein Flügel mehr, und die Einheimischen haben sich auf das Wort "verflucht" geeinigt, weil es billiger ist als Nachfragen. Als die vierunddreißigjährige Maren Fink das Anwesen erbt, bringt sie nichts mit als einen Sack Werkzeug, ein Kindheitsregister aus flüchtigen Pflegefamilien und einen Papierstatus, den das Amt "Niemandsland" nennt: keinen eingetragenen Geburtsort, kein Bürgerrecht, keinen Ort, an den man sie zurückschicken könnte. Für Maren ist die baufällige Mühle keine Erbschaft, sondern das erste Haus, aus dem niemand sie holen kommt. Der Einzige, der weiß, wie das Mahlwerk arbeitet, ist Tajo, neunzehn, ehemaliger Lehrling des verstorbenen Müllers, von der Müllergilde nach dessen Tod fallengelassen und seither Aushilfs-Teeverkoster beim Krämer gegenüber. Tajo hat einen Tinnitus, der bei jedem Wind aufheult, seit dem Tag, an dem die Flügel plötzlich stoppten und ihn beinahe zerquetscht hätten. Er ist überzeugt, dass die Mühle ihn nicht will. Zwischen Marens ersten Monaten am Graben, Tajos Lehrzeit unter dem alten Müller fünf Jahre zuvor und den verstreuten Wochen, in denen aus Misstrauen eine Arbeitsgemeinschaft wird, setzt sich langsam zusammen, was der Nebelgraben jede Saison hinter dem Garten vorbeiträgt — und warum ein erfahrener Müller freiwillig den Wind aus seinen Flügeln nahm. Dazu kommen: eine siebzigjährige Imkerin mit wohlwollendem Argwanm und einem ungeöffneten Brief, eine Gildenbevollmächtigte mit drei Häusern, in denen sie nicht wohnt, ein Krämer, der Menschen in Gewichten liest, und ein Grundstück, das eine moderne Dampfmühle sehr gut brauchen könnte. Ein behutsamer, handwerklich erzählter Roman über Zugehörigkeit als Handwerk, über Erinnerung, die sich im Mahlstein festsetzt, und über die Frage, ob man an einem Ort bleiben darf, der einen einmal ausgespuckt hat. Er endet nicht mit einer Offenbarung, sondern mit einem Nachmittag im Spätsommer, frischem Brot und einem Schild an einer Tür.
Book details
- Genres:
- Magischer Realismus, Cozy Fantasy, Literarischer Gegenwartsroman im erfundenen Provinzsetting, Handwerks- und Heimatgeschichte
- Language:
- de
- Published:
- 2026-07-25
- Content rating:
- PG